Evang.-Luth. Kirchengemeinde Greiz-Caselwitz



Kirche Caselwitz im WinterZur Pfarrei der Stadt Greiz gehörten bis zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges zwei Dorfkirchen, die von Greizer Kaplänen versorgt wurden. Während das weit abgelegen Nitschareuth im Jahre 1622 zur Pfarrei Tschirma kam, blieb das südlich vor Greiz liegende Caselwitz in der Versorgung durch die Greizer Geistlichkeit, obwohl es im Jahr 1617 zum Pastorat erhoben worden war. Pfarrer von Caselwitz war seitdem stets der zweite Diaconus der Stadtkirche, erst im Jahre 1886 wurde Caslwitz selbständige Pfarrei mit einem eigenen Pfarrer am Ort. Die zur Kirchengemeinde gehörenden Ortschaften Obergrochlitz, Untergrochlitz und Moschwitz auf den Höhen über dem Elstertal und Dölau und Rothenthal unten an der Elsterschleife sind eine jede größer als das kleine Pfarrdorf, aber auffallend sichtbar ist allein Caselwitz, das mit seiner Kirche den Blick von der Straße und der Bahn unten im Tal her auf sichzieht.

Kirche Caselwitz KirchenchorVon der alten Kirche, die schon in vorreformatorischer Zeitbestand, aber bei der Visitation von 1534 noch als Kappelle bezeichnet wird, wissen wir nichts. Ein durch Unvorsichtigkeit im Jahre 1723 entstandener Brand vernichtete sie. An ihre Stelle trat im gleichen Jahr ein neues Gotteshaus. Dieses erhielt seine Weihe am 11. November, dem Tag des Taufgedächtnisses Martin Luthers. Seit 1954 trägt die Kirche deshalb den Namen „Martin-Luther-Kirche". Sie steht inmitten des alten Gottesackers. Auffallend ist der recht große Dachreiter auf der Westseite der Kirche, der über zwei Geschossen einen hohen Schweifkuppelaufsatz trägt und weithin grüßt. Die außenangefügten Vorbauten lassen nicht vermuten, dass der Innenraum eine so wohltuend klare Gestaltung zeigt. Langhaus und dreiseitiger Chor bilden einen gemeinsamen lichten Raum. Diese freundliche Atmosphäre verdankt er den großen Fenstern und den hellen Farben, in denen die Kirche seit der Renovierung vor einigen Jahren strahlt. Im Chorschluß befindet sich der Kanzelaltar, gleichsam die Verkörperung dessen, was die Kirche allein zu bieten hat: Verkündigung und Brot des Lebens in Jesus Christus. Barocke Fruchtgehänge, weinlaubumwobene Säulen und Ornamentenmalerei umrahmen und schmücken die in fünf Seiten hervortretende Kanzel über dem Altar. Das Weiß und Gold der Schnitzerei und der weinrote Farbton der glatten Flächen des Kanzelbaues geben dem recht hellen Raum die nötige und wohltuende Wärme. In diese Farbkomposition fügt sich sehr gut die Taufe ein. Ein Engel in Jünglingsgestalt, auf einem Wolkengebilde halbkniend, hält über seinem Haupt auf beiden Händen die flache Taufschale. Der sauber geschnitzte Taufengel ist ein Werk des frühen 18. Jahrhunderts, er wurde aus der Kirche zu Triebes übernommen.

Kirche Caselwitz ErntedankAufmerksamkeit verdient der Stützpfeiler an der Treppe zur Orgelempore, der als weibliche Figur geschnitzt ist. Die Gestalt, mit Blattwerk und Fruchtgebilden am Körper geschmückt, steigt über einem kleinen Postamentaus einem blattförmigen Gebilde auf und trägt über dem Haupt als Pfeilerabschluss ein Blätterkapitell. Die Frau, die anstelle der Arme Voluten hat, wird als eine von außereuropäischen Motiven beeinflusste Schnitzerei angesehen. Wie alles Fremde und Eigenartige, so hat auch dieses Schnitzwerk zu legendärer Ausdeutung geführt. So soll ein Mann im versöhnlichen Gedenken seine ihm untreu gewesene Frau in dieser Figur als Büßerin dargestellt haben. Der Stützpfeiler stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus der ehemaligen Schlosskapelle in dem eingepfarrten Rothental und wird bei Aufhebung der Kapelle zusammen mit der alten Orgel nach Caselwitz gekommen sein. Die Orgel ist heute durch ein neueres Werk ersetzt.

CarolinenschuleZu der großen Gemeinde in den Dörfern auf den Höhen und der Vorstadt unten im Tal gehört auch die Gemeinde der jugendlichen Pflegelinge im Heim Carolinenfeld in Obergrochlitz. Hier ist in den letzten Jahren mit viel Fleiß und Können und unter großen Opfern aus nah und fern in den neuen, großen und den Erfordernissen des Dienstes an Kindern entsprechenden Einrichtungen und Gebäuden ein Zeichen der Liebe gesetztworden, auf die diese Pfleglinge warten. Wenn vor fast 2000 Jahren einmal ein römischer Diakon gesagt haben soll, dass das Reichtum der Kirche die Armen und Hilfsbedürftigen seien, dann ist Caselwitz reich, reich nicht nur an Kunstschätzen der Kirche.